Die
journalistische Aufbereitung medizinischer Streitfragen ist sicher
ein schwieriges
Unterfangen und bedarf gewissenhafter Recherche, frei
von Vorurteilen oder
externer Interessenslagen.
In
ihrem tendenziös gehaltenen Beitrag Biedermanns schiefe Kinder
scheinen die Redakteure - man ist geneigt zu glauben wider besseren
Wissens
- solche Grundregeln journalistischen Handwerks zu ignorieren.
In
Boulevardpressemanier wird dann auch schnell klar, dass sich die
Verfasser
weniger mit der Frage manualmedizinischer Diagnose - und
Therapieoptionen
im Kindesalter beschäftigen (was man bei den
medizinischen Grundkenntnissen
einer der beiden Journalistinnen
erwarten sollte) als mit der Filtration von
Informationen, die das
bereits vorgefertigte Meinungsbild unterlegen.
Bei
gründlicher Recherche und etwas journalistischer Redlichkeit wäre
den
Redakteuren sicher nicht entgangen, dass der Symptomkomplex der
KISS eine
deutlich längere Vorgeschichte hat und unter anderem in den
1960er Jahren
als cervical diencephal statisches Syndrom des Säuglings
später
als Schieflagesyndrom oder Siebenersyndrom beschrieben wurde.
Ebenso wird
die Behandlung - entgegen der Darstellung - im Rahmen der
kassenärztlichen
Versorgung ohne Probleme übernommen. Fachärzte, die
in einer von
der Bundesärztekammer zertifizierten umfangreichen
Weiterbildung die
Zusatzbezeichnung Chirotherapie erworben haben, als
sogenannten Manualmedizinern
jegliches differentialdiagnostisches
Vorgehen abzusprechen und monetäre
Aspekte ihrer Arbeit in den
Vordergrund zu stellen, geht bei aller kritischer
Diskussion zu weit.
Biedermann
im weiteren zu unterstellen, dass nach seiner Auffassung
Studien zur manualmedizinischen
Behandlung von Kindern nebensächlich
seien, verkehrt die Tatsachen dann
ins Gegenteil. Letztlich ist er
gemeinsam mit Neuropädiatern um Prof.
Wirth in Wuppertal der
Hauptinitiator einer Studie zur Behandlung kindlicher
Kopfschmerzformen.
Sehr
betroffen macht dann schon, dass die seit Jahren bekannte
Argumentation von
Herrn Stücker nicht hinterfragt wird. Seiner Ansicht
nach sind letztlich
die Eltern selbst an der Symptomatik ihrer
Schützlinge Schuld, da sie
die betroffenen Säuglinge nicht oft genug
drehen würden. Diese praxisfernen
Einschätzungen, die in Bezug zur
radiologischen Diagnostik sogar fachlich
falsch sind, gleichen eher
Rückzugsgefechten, die von zielstrebiger Ignoranz
geprägt sind.
Vollkommen
verloren gegangen ist Lilly Marleen, das kleine Mädchen im
Vorspann.
Sie hat nur geschrien, war unruhig und hat schlecht
getrunken .... sie
lag ganz krumm im Bett, wie ein umgekehrtes ,C.
Eine einzige manualmedizinische
Behandlung konnte dem Kind helfen.
Vielleicht war ja auch dieses Kind
im Rahmen seiner Ärzte-Odyssee bei
Herrn Stücker ...
Dr.
R. Sacher