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Behandlung im Vorschul- und Schulalter

Im Vorschul- und Schulalter werden die Anforderungen an das Kind derart komplex, dass ehemalige KiSS-Kinder wieder auffällig werden. Die fein- und grobmotorischen Anforderungen steigen sprunghaft. So erwarten wir, dass bei Schulanfängern die Haus-Baum-Zeichnung nicht nur erkennbare Strukturen aufweist, die Strichmännchenzeichnung sollte längst verlassen sein, die Proportionen halbwegs stimmen… Schon ab dem fünften Lebensjahr kann das normal entwickelte Kind den Einbeinstand auf beiden Seiten stehen, der Zehenspitzenstand ist sicher und auch das Einbeinhüpfen macht rechts und links keine Probleme. KiDD Kinder sind längst nicht so weit. Hier bestehen noch motorische Asymmetrien zwischen beiden Körperhälften. Koordinativ anspruchsvolle Bewegungen wie die Hampelmannkoordination sind auch im Schulalter noch „lustig“ anzuschauen.

Ähnliche Asymmetrien sieht man dann auch in Bezug auf die Haltung (Schulterhochstand, Kopfneigung, nicht selten auch Beckenschiefstand). Manche Kinder fallen auch immer wieder wegen ihrer motorischen Unruhe auf. Sie sind zappelig und haben immer noch nicht „gelernt“ ruhig zu sitzen. Die Grundsätze der bei der KiSS-Problematik schon beschriebenen Haltungsdiagnostik gelten ebenfalls für ältere Kinder und Jugendliche. Haltungsstörungen können in der Vorn-/Hinten als auch in der Rechts-/Linksebene auftreten. Daher wird man nach Rundrücken, vorgezogenen Schultern oder X-Beinstellung fahnden.

Die Behandlung von Haltungsstörungen bei Schulkindern umfasst im Wesentlichen 5 Säulen:

  • Überprüfung/ Behandlung von Funktionsstörungen beim ausgebildeten Arzt
  • Korrektur einer eventuellen anatomischen Fehlstatik (z.B. Beinlängendifferenz)
  • Sport/Krankengymnastik (zur langfristigen Schulung der haltende Muskulatur)
  • Kieferorthopädische Kontrolle (z.B. von Fehlbissen wie Kreuzbissen)
  • Atemübungen

Die weitere ärztliche Diagnostik umfasst eine orientierende neurologische und spezielle manualmedizinsche Untersuchung. Unter Beobachtung der angefertigten oder mitgebrachten Röntgenbilder des Bewegungsapparates (z.B. der Halswirbelsäule) schließt sich die Bewertung der einzelnen Befunde mit Erstellen einer Arbeitsdiagnose an. So ergibt sich auch ein Behandlungsplan, der mit den Eltern besprochen wird. Die Behandlung von Wirbelsäulenfunktionsstörungen kann durch verschiedene manuelle Techniken erfolgen und ist abhängig vom Ausbildungsstand des Behandlers. Ähnlich wie im Säuglingsalter sind auch hier keine gravierenden Nebenwirkungen oder Zwischenfälle bekannt geworden.

Nach einer Behandlung des oberen Wirbelsäulenpoles sollten die Kinder 14 Tage lang etwas „geschont“ werden. Für Eltern und Kinder ist meist noch am verständlichsten, wenn man den Vergleich einer „geklebten“ Vase heranzieht. Auch diese braucht zwei Wochen Zeit zum Trocknen. In den Tagen nach der Behandlung entwickeln viele Vorschul- und Schulkinder eine Reaktionsphase. Diese kann mehr oder weniger auffällig sein (Muskelkater, Aufgedrehtheit, Weinerlichkeit…).